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wie bei mir alles begann
(Lilo 2009)

das und mehr ist Klettern.

Aber ist dieses Abenteuer auch für Menschen mit Handikap zu bewältigen?" Also habe ich versucht, ein Schnupperklettern zu organisieren. Nach dem Motto "Learning by doing" hat sich eine Gruppe Parkinsonerkrankter zusammen mit einer ausgebildeten Klettertrainerin an die Kletterwand gewagt.

Treffpunkt war der "Boulderraum" des DAV Kletterzentrums in Gilching. Der Kurs bestand aus drei Parkinsonpatienten, deren Partner und der Trainerin. Eine sehr bunt zusammen gewürfelte, motivierte Gruppe, die von Anfang an gut harmonierte und bester Stimmung war.

Der erste Kurstag begann nach einem kurzen Bekanntmachen mit Aufwärm- und Dehnübungen. Dann, die unbequemen Schuhe angezogen und erste Kletterversuche in Bodennähe. Zur Absicherung vom Partner gespottet, klappte dies ausgezeichnet und machte auch gleich viel Spaß.

Bald wurde dann das nächste Ziel, ein kleiner Aufstieg, anvisiert. Klettergurt an und gleich galt es die erste feinmotorische Hürde, den Doppelachtknoten zu meistern. Nach dem Motto -in der Ruhe liegt die Kraft- haben alle zusammengeholfen und schon gings weiter.

Darstellung eines Achterknotens

Noch ein gewissenhafter Partnercheck und der Höhepunkt des ersten Kletterabends, der Aufstieg im Boulderraum, konnte beginnen. Alle mühten sich tapfer mit ihren Gewichts-, Konditions- und Kraftproblemen ab und kamen als Kletteranfänger ganz schön ins Schwitzen. Aber sowohl die technischen Mängel als auch krankheitsbedingte Defizite wurden mit Geduld gegenseitiger Motivation und der Hilfe der Trainerin gemeistert. Gut abgesichert durch den Partner lernten die Kletterer mit Parkinson jeden Griff und Tritt sicher zu nehmen, zu korrigieren und wieder loszulassen und jeder in der Gruppe gab sein Bestes. Der eigentliche Höhepunkt aber war der Erfolg, dass jeder der sechs Kletteranfänger zumindest einmal ganz oben war.

Für ein solches Erlebnis nimmt man gerne einen gehörigen Muskelkater am nächsten Tag in Kauf.

völlig erschöpfter Kater, alle viere von sich gestreckt
© Creative Commons CC0

Der zweite Kursabend begann wieder im Boulderraum, aber schon bald war die Gruppe reif für die große Kletterhalle. Auch dort gab wieder jeder sein Möglichstes und konnte an die Erfolge des ersten Kletterns anknüpfen. Dazu gute Tipps, gelegentliche Hilfestellungen und motivierende Anfeuerung durch die Trainerin, die ebenso mit Leib und Seele dabei war wie die ganze Gruppe.

Alle waren richtig gut, waren mit Freude und Eifer dabei und so kam es, dass der erste Kletterkurs des DAV mit Parkinsonerkrankten ein wahres Highlight wurde. (Lilo 2009)

Die Wände hochgehen
(Walburga 2011)

Kaum zu glauben, aber wahr, seit einiger Zeit gehe ich fast jeden Donnerstag die Wände hoch. Ja, wirklich!

Natürlich könnte ich das auch an jedem anderen Tag tun, und manchmal gibt es echt mehrere Tage in der Woche an denen ich die Wände hochgehen könnte. Aber am Donnerstag macht das Wände hochgehen riesig Spaß.

Spaß deshalb, weil ich dabei eine ganz tolle Unterstützung habe, und wer kann das schon von sich sagen....Unterstützung beim "die Wände hochgehen!" Ich seh schon das Kopfschütteln. Nun, dafür muss ich auch einiges tun.

Zuerst zwänge ich mich in ein komisches Geschirr aus Schlaufen und Bändern, das zum Schluss, wenn alles richtig sitzt, beide Beine und meinen Bauch als stabilen Gurt umschließt.

Danach bilde ich eine Acht als Knoten in ein Seil, diese Acht wird dann in den Gurt als doppelte Acht fest verknotet. Dabei darf das "Auge" nicht zu groß und das Seilende nicht zu lang sein.

Dann presse ich meine Füße in Schuhe, so eng, dass mir die Luft wegbleiben würde, müsste ich mit den Füßen atmen. Gott sei Dank ist es anders.

Ja und dann steh ich da. So allein geht da gar nichts mit die Wand hoch, wenigstens Donnerstags nicht und nicht in diesem Aufzug. Dazu braucht es mindestens Zwei.

Die zweite Person hat auch so einen Gurt an, daran dann Karabiner und Sicherungsgerät, in dem das Seil geführt wird.

Tubesicherung während Ablassen

Wenn wir uns dann gegenseitig überprüft haben, den Sicherheitscheck gemacht haben, ob der Gurt richtig sitzt, richtig befestigt und geschlossen ist, das Seil richtig im Sicherungsgerät geführt wird und dieses richtig mit dem gut geschlossenen Karabiner an dem Gurt befestigt ist, im Gegenzug ob eben oben erwähnte Acht richtig an meinem Gurt befestigt ist und dieser gut verschlossen ist -

- dann endlich kann ich die Wand hochgehen.

Natürlich geht es da nicht einfach so die glatte Wand hoch, nein, da gibt es verschiedene bunte Farbkleckse an den Wänden, die sich als Greif- oder Tritthilfen entpuppen. Das alles findet in der Kletterhalle in Thalkirchen statt. Ja, mein donnerstägliches "die Wände hochgehen" ist entstanden durch den Kurs "Klettern mit Handicap"

Es macht mir viel Freude und ich bedanke mich bei meinen liebenswerten Unterstützerinnen.

Danke sage ich dir Lilo: ohne dich wäre ich so nie die Wände hochgegangen, danke für deinen Einsatz, dein Mut machen, dein Anleiten, dein Freuen mit uns und dein Lachen.

Danke sage ich Steffi: du hast uns Theorie und Praxis mit Geduld und Zuversicht beigebracht, hast uns Mut gemacht, hast unseren Ehrgeiz geweckt und einige Überstunden mit uns gemacht.

Und danke sage ich Susanne, Kletterlehrling wie ich, mit dir als Sicherungspartnerin habe ich mich immer wohl gefühlt, danke für dein Verständnis, deine Geduld mit mir und deine nette Art. (Walburga 2011)

Stephanie über Ihre Erfahrungen als Kursleiterin

"Bei meinem Klettertraining mit Parkison-Erkrankten habe ich erstmal wieder erlebt wieviel Spaß Klettern machen kann! Auf die Leistung oder Schwierigkeit kommt es hier nicht so sehr an. Wichtiger sind das gemeinsame Erlebnis, die Körpererfahrung und das Austesten der Grenzen der Bewegungsfähigkeit. Die unglaubliche Energie, Lebensfreude und Antriebskraft der Erkrankten bewundere ich sehr."

Steffi an der Kletterwand

Das Klettern verändert Welten
(Nils 2016)

Portrait von Nils

Ich war auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung und ich war bereit vieles auszuprobieren. Die Suche dauerte nur kurz, denn ich hatte sehr schnell meinen richtigen Weg gefunden - den Weg ganz nach oben an der Kletterwand.

Ich war begeistert und fasziniert und buchte mit großer Vorfreude einen Schnupperkletterkurs in der DAV Kletterhalle in Pfaffenhofen. Die harte Realität der ersten Kletterrouten holte mich jedoch sofort wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Kein Grund mich geschlagen zu geben und nach langer Suche im Internet fand ich eine Kletterbetreuerin in Pfaffenhofen, die mit Kletterern mit Handicap trainierte.

Anfang 2013 startete ich mit Lilo`s Unterstützung meine Kletterkarriere. Die Anfänge waren richtig schwer und mühsam, aber davon lies ich mich nicht abschrecken. Mit viel Willenskraft und mit Hilfe meiner geduldigen Trainerin kamen die ersten Erfolge. Ich verbrachte viele Stunden an der Kletterwand, und trainierte in einer Handicapgruppe in Pfaffenhofen, die damals von Claudia und Lilo geleitet wurde. Dadurch konnte ich mich technisch enorm verbessern, hatte viel Kraft aufgebaut, aber auch das Selbstvertrauen das nötig ist, an seine Grenzen zu gehen. In der Gruppe war ich jedoch inzwischen unterfordert. Ich begann am wöchentlichen Klettertreff teilzunehmen und gewann so rasch neue Kletterpartner.

Beflügelt von diesen ersten Erfolgen, meldete ich mich bereits im Sommer 2013 für den Anfänger-Kletterkurs „Von der Halle an den Fels“ an. Ich war überrascht und beeindruckt wie groß der Unterschied zwischen „Plastik-“ und Felsklettern ist.

Nils beim Klettern am Fels

Im Sommer 2014 nahm ich an der Münchner Stadtmeisterschaft in Thalkirchen teil. Bei diesem Wettkampf schaffte ich auf Anhieb den ersten Platz in meiner Behindertenkategorie. Die Freude war riesig groß und auch die Siegerparty, die wir im PAFRock feierten war meisterlich. Das Training ging weiter und ich machte deutliche Fortschritte sowohl in der Kletterhalle, als auch am Felsen. Ich war im Kletterfieber und fuhr sogar bei Schneefall und eisigen Temperaturen an den Fels.

Jetzt fehlte noch der Klettersteig. Aber warum kleckern, wenn man auch klotzen kann – mein erster Klettersteig war gleich in der schwierigsten Kategorie...

2015 passierte noch mehr.... Durch Zufall kam ich zum Wettkampfklettern und nahm zum ersten Mal an internationalen Wettbewerben teil. Eine weitere große Herausforderung in diesem Jahr war die Ausbildung zum Kletterbetreuer. Unter anderem trainiere ich seither mit den „Zwergerln“ und habe viel Spaß daran, den Kindern die Grundlagen des Kletterns näher zu bringen.

Seit 2016 gibt es einen Deutschlandkader für Klettern mit Handicap. In diesem Mannschaftskader für Deutschland klettern zu können ist schon eine Ehre. Im September 2016 kam dann der krönenden Abschluss: die Teilnahme an der Kletter-Weltmeisterschaft in Paris, welche ich mit dem Titel des Vize-Weltmeisters beendet habe. Dieser große Erfolg wurde natürlich auch ausgiebig gefeiert.

Bild der Silbermedallie
Das Klettern verändert wahrlich Welten.